"Bewegte" Bilder zu Habsburgs letztem Krieg

Das Forschungsprojekt, das vom FWF (Austrian Science Fund/Projektnummer: P25685-G23) gefördert wird, möchte unter Berücksichtigung von allen verfügbaren, thematisch relevanten visuellen und kontextbezogenen schriftlichen Quellen die filmische Darstellung Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg untersuchen. Die Dokumentation, inhaltliche Erschließung und Analyse knüpfen diesbezüglich einerseits bei vorhandenen regionalen wie internationalen Forschungsergebnissen an, die angesichts der historischen Relevanz und Brisanz des Themas vergleichsweise überschaubar sind. Andererseits soll aber, abseits der rein ästhetisch ausgerichteten historiographischen Pfade, eine sozialwissenschaftlich gewendete und archivgestützte Medienwissenschaft praktisch umgesetzt werden: Die diskursiv aufgewerteten Filmquellen erlauben somit ein gänzlich neues Denken des Verhältnisses der Begriffstrias Film-Geschichte-Österreich.
Innerhalb des gut beforschten Gebiets der filmischen Propaganda nimmt der Erste Weltkrieg aufgrund seiner medialen Neuorientierung und gleichzeitigen komplexen Quellenlage eine Sonderposition ein. Insbesondere die österreichischen und verwandten Filmquellen erlauben hier einen Zugang, der Film als eigengesetzliche Medienform versteht und untersucht, anhand derer wiederum Erinnerung diskursiviert und exemplifiziert werden kann. Das eingeschriebene zyklische Abhängigkeitsverhältnis von vereinbarter Wirklichkeit und politisch überformter Medialisierung macht es notwendig, fiktionale wie nicht-fiktionale Materialien zu berücksichtigen – ein Umstand, dem das Projekt in vollem Ausmaß Rechnung trägt. Mit der erstmaligen Zugriffsmöglichkeit auf die dahingehend weltweit einzigartigen, heterogenen Bestände des Filmarchiv Austria können hier die besten Partner und die gewinnbringendsten Fragen im Rahmen einer konzentrierten Auseinandersetzung sinnvoll gebündelt werden. Neben Quellen aus dem Konfliktzeitraum 1914 bis 1918 werden auch themenrelevante Filmproduktionen nationaler und internationaler Provenienz nach 1918 entsprechend eines abgestimmten Fragenkatalogs bearbeitet werden. Die klaren Leitlinien der Untersuchung zielen dabei auf ein fakten- wie quellenorientiertes Forschen, das sich bewusst und vorsätzlich von einem neopositivistischen Quellenverständnis absetzt. Die in enger Abstimmung mit ausgewiesenen internationalen Kapazitäten durchgeführte Arbeit im Rahmen des in Wien ideal angesiedelten Forschungsprojekts wird dabei gleichermaßen weiterführende Implikationen für mehrere Fachdisziplinen zeitigen wie auch Impulse im Rahmen europäischer Forschungstrends – etwa im Bereich der smart specialisation – setzen.